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TU Dortmund LogoLogo der 40-Jahr-Feier der Fakultät für Informatik

Festakt 40 Jahre Informatik und Ehrenpromotion Monika Henzinger

Laudatio für die Verleihung der Goldenen Ehrennadeln an die Professoren Reimer, Claus und Reusch

Univ.-Prof. Dr. Gabriele Kern-Isberner

Sehr geehrte Damen und Herren,

folgen Sie mir ca. 40 Jahre in der Zeit zurück, begleiten Sie mich in die Anfangsjahre der Fakultät.

1969 wurde der Gründungsausschuss für die Abteilung Informatik vom Senat ins Leben gerufen. Der frisch nach Dortmund berufene Mathematik-Professor Manfred Reimer hatte in seiner Position als Vorsitzender dieses Ausschusses die ebenso schwierige wie lohnende Aufgabe, die Informatik im Strukturplan der Universität zu verankern und diese neue Abteilung konzeptionell auszugestalten. Wohlgemerkt – die Universität selbst war noch im Aufbau, und die Informatikszene in Deutschland begann gerade sich zu formen. Dennoch – Manfred Reimer hatte sich zum Ziel gesetzt, „Schwung und Gunst der ersten Stunde zu nutzen“, er wollte nicht einfach „in Dortmund andere Hochschulen kopieren, sondern in aussichtsreichen Gebieten Schwerpunkte setzen“. Drei Professuren galt es zu besetzen – das war der Mindeststandard für eine universitäre Abteilung. Manfred Reimer nahm intensive Kontakte zur Informatik der Gründerzeit in Deutschland auf. Auch andere erste Fakultäten für Informatik bildeten sich und lockten mit attraktiven Angeboten. Doch Professor Reimer war im Kampf um beste Köpfe erfolgreich.
Er hat damit die zukünftige Entwicklung der Dortmunder Informatik nachhaltig geprägt. Der Gründungsrektor der Universität Dortmund, Professor Schmeißer, schrieb nach der Gründung der Abteilung Informatik im November 1972 an Manfred Reimer: „ich weiß mich einig mit Ihnen in der Hoffnung, dass es der neuen Abteilung gelingen möge, sich einen guten Namen in der wissenschaftlichen Welt zu erarbeiten.“

Die Vollversammlung der neuen Abteilung Informatik bestand aus 3 Professoren, 7 wissenschaftlichen Mitarbeitern und 58 Studierende. Für den Endausbau der Abteilung diskutierte man eine Studierendenzahl von 175, ein Informatikgebäude sollte 1978 bezugsfertig sein. Die Realität überholte beides bei weitem.

Professor Volker Claus und Professor Bernd Reusch waren Gründungsdekan und Gründungsprodekan der Informatik in Dortmund, beide – Herr Reusch auch später als Dekan – mussten die stürmisch wachsende Abteilung durch so manches strukturelle und räumliche Nadelöhr bringen.

Herr Claus war eine treibende Kraft bei der Entwicklung der ersten Studien- und Prüfungsordnungen. Er war der Initiator unserer Projektgruppen und konzipierte Studiengänge mit integrierten Anwendungsfächern, beide Konzepte strahlten über die Dortmunder Informatik hinaus aus und wurden von anderen Informatikstandorten übernommen. Lange, bevor wir heutzutage im Senat Ordnungen für Lehreevaluationen diskutieren, hat Volker Claus solche Evaluationen in der Informatik durchführen lassen. Er hat die besondere inhaltliche Qualität der Informatikausbildung in Dortmund geprägt und sie zum Vorbild für andere werden lassen. Auch nach seinem Weggang aus Dortmund ist er der Fakultät immer aktiv verbunden geblieben, wir denken insbesondere gerne an seine berühmten Nikolaus-Vorlesungen zurück.

Das besondere Anliegen von Herrn Reusch lag von Anfang an in der Verbindung von Theorie und Praxis in der Forschung. Daraus hat er ein Umfeld beachtlicher Spannweite entwickelt, das von abstrakten Theorien über technische Entwicklungen mit Anwendungsbezug bis hin zu marktfähigen Produkten reichte und zahlreiche Persönlichkeiten mit einbezog. Besonders erwähnenswert ist der von Herrn Reusch ins Leben gerufene interfakultative Fuzzy-Kreis, der den Anstoß gab zum SFB 531 „Design und Management komplexer technischer Prozesse und Systeme mit Methoden der Computational Intelligence“ von Professor Schwefel. Viele der früheren Mitarbeiter von Herrn Reusch wurden Hochschullehrer oder wechselten auf leitende Positionen in Unternehmen. Die von Herrn Reusch gelebte Verknüpfung von Theorie und Anwendung und daraus resultierende vielfältige Verbindungen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft machte die Dortmunder Informatik zu einem wichtigen Eckpfeiler des Strukturwandels im Ruhrgebiet.

Und hier zitiere ich nun unsere Grußredner: Frank Wiesenfeller von den Alumni für Informatik sprach von dem „besonderen Qualitätssiegel der Informatikausbildung in Dortmund“, Dr. Materna nannte die Fakultät für Informatik einen „Glücksfall für Dortmund“. Die Fundamente hierzu haben Sie, Herr Professor Reimer, Herr Professor Claus und Herr Professor Reusch, fest etabliert. Dafür dankt Ihnen die Fakultät und verleiht Ihnen die Goldene Ehrennadel.